Vortragsabend; „Welche doppelte Brille braucht es, um transatlantische Dynamiken scharf zu sehen? Welche Selbstverständlichkeiten müssen hinterfragt werden? Und wie kann man inmitten geopolitischer Unsicherheit strategisch europäisch bleiben?“

Am Freitag, den 18.07.2025, widmete sich ASIUM-Mitglied Derk Beemer diesen Fragen in einem Vortrag unter dem Titel „Transatlantische Beziehungen im Wandel von der Geschichte zu den Herausforderungen der Zukunft“.

 

Am Freitag, den 18.07.2025, widmete sich ASIUM-Mitglied Derk Beemer diesen Fragen in einem Vortrag unter dem Titel „Transatlantische Beziehungen im Wandel von der Geschichte zu den Herausforderungen der Zukunft“.

 

Den Anlass für diese letzte Veranstaltung in unserem Semester bot der NATO-Gipfel in Den Haag am 24. und 25. Juni, dessen Ergebnisse der Referent im Rahmen des Vortrages auch vorstellte und erörterte. Dabei hob er hervor, dass der Gipfel trotz interner Spannungen einen Konsens hinsichtlich der Unterstützung der Ukraine und des neuen 5%-Ziels erzielt habe, und erläuterte die vereinbarten Implementationsschritte.

 

Der Schwerpunkt lag jedoch auf der Entwicklung der transatlantischen Beziehungen im Allgemeinen. Dazu skizzierte Derk Beemer in einem Überblick über die Geschichte der NATO die historischen Wendepunkte und Pfadabhängigkeiten, die die transatlantischen Beziehungen bis heute prägen: Von der Etablierung der dauerhaften amerikanischen Militärpräsenz in Europa und der Blockbildung im Kalten Krieg über die Neuausrichtung nach dessen Ende bis hin zu den Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Dieser habe eine Renaissance der NATO als Schutzmacht Europas eingeleitet, wodurch das Bündnis trotz innerer Spannungen ein hohes Maß an strategischer Kohärenz und Wertegemeinschaftlichkeit zeige.

 

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildeten die Diskussionen über das europäische Verhältnis zu den USA unter den Bedingungen der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump. Dabei brachte Derk auch die Rede von J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein, in der dieser Europa eine Abkehr von den gemeinsamen Grundwerten vorwarf. Im Zusammenhang mit anderen außenpolitischen Handlungen Trumps – darunter auch der Bombardierung des Iran einen Tag nach seiner Abreise vom NATO-Gipfel – und dem Verlauf des NATO-Gipfels brachte der Referent drei mögliche zukünftige Entwicklungen für die NATO ein: Eine dieser Möglichkeiten sei, dass die anderen Mitgliedsstaaten weiterhin die Hegemonie der USA akzeptieren, oft auch in Abwehr zu chinesischen Ordnungsvorstellungen. Die beiden anderen Optionen gehen von einem fortgesetzten Konflikt zwischen den USA und den europäischen Staaten aus: So könnte es zu einer geopolitischen Konkurrenz zwischen Europa und den USA innerhalb der NATO kommen oder sogar zu einem normativen Antagonismus, der die NATO letztlich spalten könnte.

 

Vor diesem Hintergrund diskutierten die Teilnehmenden über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen, insbesondere mit Blick auf die europäische Position und die gemeinsamen Werte mit den USA. Dabei zeigte sich ein weitläufiger Konsens darüber, dass die aktuelle Politik der US-Regierung das gemeinsame Bündnis in diesen Fragen vor große Herausforderungen stellt, die eine größere europäische Resilienz wünschenswert machen würden.

 

Wir danken Derk Beemer für die Durchführung dieses Initiativvortrags, der den Teilnehmenden einen weiten Überblick über die Entwicklung und die Herausforderungen der transatlantischen Beziehungen verschaffte.